Kaffeemythen: Macht er wach, schön, nüchtern, macht er gar „heiß“?

youDRESSED Editor

Eine neue Studie zeigt, dass Kaffee nur bedingt ein Wachmacher ist. Zum Teil galt er nicht nur als anregend und aphrodisierend, sondern auch als aufrührend, weshalb der Genuss teilweise verboten war. Hier die größten Kaffeemythen und was dahinter steckt.

 

Deutschland gilt als das Land der „Kaffeetanten und -onkel“. 2022 erreicht der Absatz von Röstkaffee hierzulande mit 479.000 Tonnen einen neuen Rekord. Dabei ist der Pro-Kopf-Verbrauch in den skandinavischen und Benelux-Ländern laut Statista sogar noch deutlich höher. Die großen Gewinner waren nach Corona die Gastronomie und die Kaffeehäuser.

Kaffe war dabei immer schon mehr als ein reines Genussmittel. Denn Kaffee beeinflusst auch die Politik. Vor rund 200 Jahren nahmen die Demokratiebewegungen in Europa, allen voran im revolutionären Frankreich, ihren Anfang in den bürgerlichen Kaffeehäusern. Und auch in Taiwan trafen sie freiheitlich denkende Bürger in den 80er Jahren in Tee- und Kaffeehäusern.

Im wahrsten Sinne ein Aufputschgetränk?

Im Osmanischen Reich, über das die Bohnen im 17. Jahrhundert nach Europa kam, war der Genuss eben auch aus dem Grund, obwohl nicht ganz so streng geahndet, verboten und mussten Kaffeehäuser schließen. Den Namen des Getränks verdanken wir im übrigen wahrscheinlich dem türkischen kahve oder dem arabischen qahwa, das für „anregendes Getränk“, aber auch für die „dunkle Farbe“ von Rotwein stehen könnte. Einer anderen Theorie nach geht Kaffee auf die Kaffa im heutigen Äthiopien zurück. Die Etymologie ist nicht ganz geklärt.

Wie dem auch sei. Dass das dunkle Getränk nicht nur anregend, sondern auf aufwühlend ist und gewisse Gefühle erwecken könnte, hat der sonst eher als strenger Kirchenmusiker bekannte große Barockkomponist Johann Sebastian Bach schon in seiner Kaffeekantate vertont. Da sieht der Schlendrian genannte Vater nämlich den Kaffeegenuss als Hindernis für die Vermählung seiner Tochter und klagt:

Du böses Kind, du loses Mädchen, / Ach! Wenn erlang ich meinen Zweck: / Tu mir den Coffee weg!

Es gab also schon früh Gründe für und Vorbehalte gegen den Kaffeegenuss sowie Mythen, die sich darum rankten und ranken.

Kaffee macht munter

Wie heise online eine neue Schweizer Studie zitiert, kann Kaffee entgegen dem allgemeinen Volksglauben nur als Wachmacher gelten, wenn man kein „Gewohnheitstrinker“ ist. Wer quasi chronisch Kaffee konsumiert und damit die entsprechende Koffeinmenge zu sich nimmt, ist praktisch schon süchtig und erreicht so wie der Alkoholiker nach dem ersten Bier mit der Tasse Kaffee oder Cappuccino erst seinen Normalpegel. Das haben Forschende der Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) und des pharmakologischen Instituts der Universität Zürich herausgefunden.

Dr. Caroline Reichert der UPK spricht von Entzugssyndromen und sagt: „Subjektiv können wir sie schon etwa 12 bis 24 Stunden nach der letzten Dosis Koffein bemerken. Der Peak liegt zwischen 20 und 50 Stunden. Dann können beispielsweise Kopfschmerzen auftreten oder die besagte Müdigkeit.“

Kaffee steigert die Leistungsfähigkeit

Wenn die eigene Leistungsfähigkeit und Konzentration nachlässt, kann Kaffee morgens oder am Vormittag zumindest tatsächlich Wunder bewirken, weil Koffein die Hirnregion anregt und eine geringe Menge davon auch die Herzkranzgefäße erweitert, was hilft, dass das Herz besser schlägt. Koffein hemmt auch die Müdigkeit, indem es an die Adenosin-Rezeptoren andockt, was ebenfalls konzentrations- und leistungssteigernd sein kann. Allerdings kann zu viel des Guten samt Herzrasen und Unwohlsein auch das Gegenteil bewirken.

Kaffeetrinken verbrennt Fett

Kaffee regt den Stoffwechsel an und gilt daher als regelrechter Fatburner. Außerdem soll die in Kaffee enthaltene Chlorogensäure die Aufnahme von Zucker und Fett hemmen. Allerdings ist die Menge davon viel zu gering, als dass die Theorie vom Fettverbrenner wirklich haltbar ist. Wenn, dann kann man wie nach Magnesium vielleicht eher von einer abführenden Wirkung sprechen.

Kaffee macht nüchtern

Kaum ein Western oder anderer Haudrauf-Streifen, in dem der Held, der am Vortag etwas zu viel getrunken hat, nicht in rauen Mengen Kaffee eingeflößt bekommt, damit er wieder nüchtern wird. Und sind wir nicht alle ein bisschen Held:innen und versuchen, unseren Kater mit Kaffee zu bekämpfen?

Tatsächlich ist aber oft das Gegenteil der Fall und raten Ernährungsexpert:innen  sogar davon ab, koffeinhaltige Getränke mit Alkohol zu kombinieren. Studien haben gezeigt, dass Kaffee nicht hilfreich ist, den Alkoholabbau im Blut zu beschleunigen, obwohl andere Getränke und Speisen dies altersabhängig durchaus tun können.

Kaffee entzieht Wasser

Wer in Italien oder Österreich Espresso bestellt, bekommt immer ein Glas Wasser dazu. Und so entstand der Mythos, dass koffeinhaltige Getränke dem Körper Flüssigkeiten entziehen und das ausgeglichen werden muss. Die Mähr hat sich noch lange gehalten und  erst in jüngster Zeit haben Forschende diesen Mythos entkräftet. Wer literweise Kaffee trinkt, muss also nicht dieselbe Menge Wasser oder Tee trinken.

Kalter Kaffee macht schön

Kaffeesatz als Peeling kann die Haut zart machen und straffen, aber dass kalter Kaffee als Getränk schön macht, ist wohl ein Gerücht, das auf die Barockzeit zurückgeht, als dieser noch sündhaft teuer war und sich nur die Reichen und Schönen ihn sich leisten konnten. Diese waren aber darauf bedacht, dass ihre viele Schminke sich nicht in Dampf auflöste und bevorzugten ihren Kaffee daher schwarz und kalt zu trinken.

Kaffee macht scharf

Kaffee wird auch eine aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Tatsächlich fördert Kaffee die Ausschüttung von Dopamin, Adrenalin und Testosteron, was Männer so wie – nachweislich – Rattenweibchen scharf machen soll. Im 17. Jahrhundert gab es in Deutschland sogar den frivolen Spruch „Coffeum wirft die Jungfrau um.“ Für eine eindeutige aphrodisierende Wirkung von Kaffee fehlt aber der Beweis. Ist also am Ende vielleicht alles nur Placebo-Wirkung.

Fazit: Wie dieser Artikel gezeigt hat, sind viele Theorien und Meinungen, die sich um eines unserer Lieblingsgetränke ranken, doch nur Mythen und kaum haltbar. Aber es ist wie so oft: Auf die Menge kommt es an. Wer es nicht übertreibt, wird durch den Genuss einer schönen Tasse Kaffee auf jeden Fall glücklicher.

Quelle Titelbild: Unsplash / Demi DeHerrera

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